Redaktioneller Bereich

Liebe Mitglieder des Supporters Wolfsburg e.V und Fans des VfL Wolfsburg,

wie auf der letzten Mitgliederversammlung beschlossen, werden wir unsere Hompage um einen redaktionellen Bereich erweitern!Mitglieder können dort ihre Meinungen zu Fanthemen veröffentlichen. Dieser Bereich soll zeigen, dass bei den Supporters Wolfsburg keine Einheitsmeinung vorherscht oder gar vorgegeben wird. Jede Meinung ist wichtig, außer die Meinungen die gegen Recht und Ordnung verstoßen!
Damit sich Mitglieder und Fans über die relevanten Fanthemen auch austauschen können haben wir ein Supporters Forum ins Leben gerufen.
Wir freuen uns auf einen regen Austausch. Meldet euch zu Wort oder diskutiert über die Textbeiträge in unserem Forum!

Hier nun der erste Beitrag!

Der Fall Diego – eine Abrechnung.

Die Fußball-Bundesligasaison 2012/2013 hat noch nicht begonnen – und doch ist bereits so ziemlich jedem Freund nach oben offener Fußballkultur klar, welches Thema während dieser Saison mutmaßlich über allem schweben wird. Seinen Ursprung nahm es vor gut einem Jahr in der Nähe von Heidelberg.
Um die einschlägige Meinung des Autors, die ausdrücklich aus jeder Zeile dieser Texts triefen soll, kundzutun, nein zu predigen, bedarf es zunächst einer kleinen Reise auf dem Zeitstrahl:
Sinsheim, 14.05.2011, irgendwann um die frühe Mittagszeit. Im Mannschaftshotel des VfL gibt Felix Magath die Startaufstellung für das alles entscheidende Spiel gegen die TSG Hoffenheim bekannt.
Sinsheim, 14.05.2011, irgendwann nach 17:20 Uhr. Der gleiche Felix Magath, seines Zeichens als Volkstribun bekannt, bedankt sich in Wellenbewegungen bei den mitgereisten, losgelöst erleichterten, teils vertränten VfL- Fans, die ihren Verein auf einem seiner schwersten Wege begleiteten.
Irgendwo zwischen Sinsheim und der Copacabana, zeitlich einzuordnen zwischen der frühen Mittagszeit und irgendwann nach 17:20 Uhr trollt sich ein damals 26jähriger brasilianischer Fußballprofi, dessen einmalige namentliche Erwähnung im Titel dieses Texts schon ausreichend Überwindung gekostet hat.
Er trug in dieser Saison, in der Fußball Wolfsburgs Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit weiter denn je auseinander klaffte, die Nummer 28, verkörperte aber seinem Selbstbild nach nur die Nummer 10. Er war der Spielmacher. Neben einigen Szenen, die selbst durch grün-weiße Brillengläser eher schäbig als (positiv besetzt) dreckig waren, gehörte er in einer insgesamt über alle Maßen enttäuschenden Mannschaft noch zu den Spielern, denen man so etwas wie ein Ankämpfen gegen den drohenden Abstieg zusprechen musste. Naja, konnte, wenn man denn wollte.
Bis zum besagten Mittag in der Nähe von Sinsheim. Die (frei erdachte) Szenerie: ein Raum, 25 besetzte Stühle, ein Flipchart mit elf Nummern, von denen keine die 10 war. Eine neue Entwicklung: 24 besetzte Stühle. Er ging. Er war weg. Er stellte seine Eitelkeit, seinen Anspruch, von Anfang zu spielen über das Wohl aller.
Auf dem Weg in den Kraichgau befanden sich Tausende Fans, die nur eines wollten: nicht absteigen. Die Nummer 10 ging. Ich will hier nicht das Lied von der sterbenden Region anstimmen, aber sicher hing der eine oder andere Arbeitsplatz auf der VfL- Geschäftsstelle vom Ausgang dieses Spiels ab. Die Nummer 10 ging. Zu Hause mähten Zehntausende mit flauem Gefühl den Rasen, wuschen ihr Auto oder kickten selbst in ihren Kreisligatruppen. Nummer 10 ging.
Ich bin kein Träumer, kein Fußball-Romantiker, der von 11 Freunden auf dem Platz und 22 daneben ausgeht, die alles für ihre – und meine – Farben tun. Aber ich erwarte Anstand. Nicht einmal Professionalität, die es verlangen würde, den Arbeitsvertrag zu erfüllen. Nur Anstand.
Anstand den 24 anderen im Raum gegenüber, die in diesen Stunden hoffentlich mal ihr Smartphones weggelegt hatten und nicht nach neuen Angeboten gelinst haben. Anstand gegenüber den Fans, die sich allmählich ängstlich im Hoffenheimer Gästeblock verteilten. Anstand gegenüber dem Sport, der ihn zu einem wohlhabenden Mann gemacht hat.
Er ging- und sollte folgerichtig keine Rolle mehr spielen in den Planungen des Vereins. Nun ist er wieder da. Mit einer Entschuldigung, einem gebräunten Lächeln und einem erhobenen Daumen in einem Podcast in englischer Sprache. Und man muss die nicht beherrschen, um zu verstehen, was er gesagt hat: nichts.
Man spricht von einer zweiten Chance, die Menschen verdient haben. Meinetwegen. Nach 15 Monaten kann ich dem Menschen, der in der Saison 2010/2011 Wolfsburgs Nr. 10 war, nicht mehr ernsthaft etwas Böses wünschen. Den Spieler aber will ich in diesem Trikot nie wieder sehen. Ein Gelübde à la Willi Tmoczyk, solange kein Spiel mehr zu sehen, bis ich das tatsächlich nicht mehr muss, geht mir aber nicht über die Lippen. Wohl, weil mir dieser Verein etwas bedeutet.

Autor Acksch